Nachhaltige Schülerfirmen
von Rolf Dasecke
In Ihrer Schule wollen Sie Schülerinnen und Schülern vernetztes Denken vermitteln? Themenfelder sollen dabei Wirtschaft, Umwelt und Soziales sein? Das Lernarrangement soll auch genutzt werden, um den jungen Leuten praxisorientiert wirtschaftliche Grundkenntnisse zu vermitteln? Sie sollen dabei ihre Persönlichkeit und ihre Sozialkompetenz entwickeln? Das Ganze soll möglichst auch in Kooperation mit externen Partnern erfolgen? Spaß soll alles auch noch machen und motivieren?
Wenn die Ausbildungschancen der Schülerinnen und Schüler Ihrer Schule verbessert werden sollen, weil sie es in der Praxis am realen Markt gelernt haben, zukunftsorientiert, wirtschaftlich erfolgreich, in sozialer und ökologischer Verantwortung zu handeln – dann ist die Gründung von nachhaltigen Schülerfirmen für sie ein wichtiges Thema in der Schule.
Schülerfirmen bieten auf dem realen Markt Produkte und/oder Dienstleistungen an. Reisebüros organisieren z. B. Klassenfahrten und Ausflüge, Bistros versorgen die Schule mit einem gesunden Frühstück, Fahrradwerkstätten sorgen für sichere Mobilität, Kunstagenturen bieten lokalen Betrieben Leasing von Bildern aus dem Unterricht an. Der Ideenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Um erfolgreich zu sein, ist eine angemessene Organisation der betrieblichen Abläufe notwendig. Das Ziel der Firma ist aber nicht in erster Linie, Gewinn zu machen, sondern sie soll es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, erste wirtschaftliche Erfahrungen zu sammeln und in einem wirklichkeitsnahen Umfeld wirtschaftliches Handeln und Denken zu lernen. Nachhaltige Schülerfirmen sind an allen Schulformen der Sekundarstufen I und II erfolgreich erprobt.
Nachhaltige Schülerfirmen wollen nicht ur wirtschaftlich erfolgreich sein. Sie wollen dabei auch ökologische und soziale Ziele verfolgen. Produkt, Produktion und Betrieb sollen so gestaltet sein, dass die natur möglichst wenig belastet wird, die Schülerinnen und Schüler persönlich in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt werden, das Miteinander üben können und dabei auch gesellschaftliche Probleme wie z. B. das gemeinsame Wirtschaften in der Einen Welt erfahren. Vernetztes Denken im Nachhaltigkeitsdreieck Wirtschaft, Umwelt und Soziales soll erlernt werden.
Nachhaltige Schülerfirmen sind zuerst eine pädagogische Veranstaltung. Oberstes Ziel ist das Sammeln von Erfahrungen durch praktisches Handeln und das Erwerben von Kenntnissen. Deshalb sollten solche Firmen auch fest und dauerhaft im Schulkonzept und im Stundenplan der Schule verankert sein. Selbstständiges Handeln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Firma stärkt die Persönlichkeit, sorgt für Motivation und ändert das Verhältnis zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern. Um Kompetenz in die Schule zu holen und um den Schülerinnen und Schülern neue Erfahrungshorizonte zu erschließen, sollten die Schülerfirmen so viel Kontakt wie möglich mit möglichst branchengleichen Unternehmen vor Ort pflegen. Als günstig hat sich ein festes Partnerschaftsverhältnis mit einer Firma erwiesen.
Um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, müssen nachhaltige Schülerfirmen in der Gründungsphase eine Erfolg versprechende Produktidee und Unternehmensleitlinie entwickeln, Marktchancen erkunden, die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen abklären, einen Finanzplan erstellen und das Ganze am besten in einem Businessplan zusammenfassen.
Danach muss der Firma dauerhaft eine Organisationsstruktur gegeben werden, der Personalbedarf ist zu ermitteln und zu decken, die Abläufe im Betrieb von der Beschaffung bis zum Absatz sind zu strukturieren, die Buchführung muss organisiert werden usw. All das, was in einem realen Betrieb anfällt, muss auch in einer Schülerfirma im Kleinen erledigt werden und bietet so vielfältige Möglichkeiten, wirtschaftliches Grundwissen zu vermitteln.
Im Sinne der Nachhaltigkeit ökologisch zu wirtschaften, heißt für Schülerfirmen, sich bei allen Entscheidungen zu überlegen, wie man Materialien und Energie einsparen kann, wie man verstärkt auf nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien setzt, wie beim Produkt und der Produktion Schadstoffe eingespart werden können und wie Abfälle zu vermeiden oder ansonsten ordnungsgemäß zu beseitigen sind. Auch sollten die Produktionsbedingungen berücksichtigt werden, z. B.: Wurden die Vorprodukte durch Kinderarbeit produziert? Achten die Firmen auf Umwelt- und Arbeitsschutz? Wer ist Nutznießer des Wertschöpfungsprozesses (im Sinne des Eine-Welt-Gedankens)? Um dies abzusichern, bemühen sich Schülerfirmen im Rahmen eines Nachhaltigkeitsaudits um einen permanenten Verbesserungsprozess.
Sozial verantwortlich zu wirtschaften, heißt für nachhaltige Schülerfirmen, dauerhaft die Perspektiven der Einen Welt, der Gleichstellung der Geschlechter und der in der Firma vertretenen Nationalitäten im Auge zu behalten sowie andere gesellschaftliche Probleme zu bearbeiten. Diese Schülerfirmen bieten den Schülerinnen und Schülern praktische Möglichkeiten, ihre persönlichen Kompetenzen wie z. B. Team- und Entscheidungsfähigkeit zu entwickeln. Sie lernen, vernünftig miteinander zu reden, Konflikte zu lösen und sich an Werten (Nachhaltigkeitsidee) zu orientieren. Nicht zuletzt lernen sie, selbstständig zu handeln.
Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Schülerfirma werden beim Verlassen der Schule in einem Arbeitszeugnis in der Sprache der Wirtschaft dokumentiert und können Bewerbungen beigelegt werden. So verbessern auch Förder- und Hauptschüler ihre Einstellungschancen.
Weitere Informationen:
- Rolf Dasecke
Fachkoordinator für Nachhaltige Schülerfirmen im Programm Transfer-21 des Landes Niedersachsen
Tel.: 0 42 22 / 40 02 56
E-Mail:
dasecke(at)t-online.de
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