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Natura 2000 macht Schule – ein Unterrichtsprojekt zur Biodiversität

Foto: Ein Stück Altrhein umgeben von Ufer mit Wiese, Büschen und Bäumen
Der Eich-Gimbsheimer Altrhein: ein bedeutendes Natura-2000-Gebiet in der Oberrheinebene (Foto: M. Altmoos)

Biodiversität – so heißt das Zauberwort! Damit ist die natürliche Vielfalt in der Natur gemeint, die wir ja alle erhalten wollen. Doch so vielfältig die Natur, so vielfältig sind auch die Interessen des Menschen, sie zu nutzen oder sie zu schützen. Um Biodiversität erfolgreich in die Zukunft zu tragen, muss das Verständnis für die Berechtigung anderer Ansichten und Interessen wachsen. Eine offene Kommunikation und die Bereitschaft zum Interessensausgleich sind hierfür unabdingbare Voraussetzungen.

Diese wichtige Erfahrung konnten Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse des Oppenheimer Gymnasiums machen, als sie sich im Geographie-Unterricht mit dem Thema Natura 2000 befassten. Natura 2000 will mit einem Netz an Schutzgebieten dazu beitragen, die Biodiversität in Europa zu erhalten (mehr).

Nutzungskonflikte am konkreten Beispiel erlebbar gemacht

Als Beispiel für die Nutzungskonflikte in einem Natura-2000-Gebiet wurde der nahe gelegene Eich-Gimbsheimer Altrhein ausgewählt.

Foto eines Blau-Kehlchens
Blau-Kehlchen (Foto: A. Limbrunner)

Und tatsächlich: Am Eich-Gimbsheimer Altrhein sind ebenso wie in vielen anderen Natura-2000-Gebieten nicht nur die Ziele der Biodiversität zu berücksichtigen. Es geht zugleich um Trinkwasserversorgung, Kiesabbau, die Naherholung, die Landwirtschaft, den Hochwasserschutz und die Interessen der Jäger und der Angler. Wesentliche Faktoren für das Heimatgefühl der Bewohner liegen auch in der Schönheit und dem charakteristischen Erscheinungsbild dieser Landschaft. Seit Jahren wird ein stetig sinkender Grundwasserspiegel gemessen, was nicht nur die Biodiversität sondern auch die meisten anderen in diesem Gebiet verfolgten Interessen beeinträchtigt.

Wie geht man mit solchen  komplexen Situationen um? Kann man da überhaupt etwas machen?

Genau hier setzt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ an: Sie will die Menschen befähigen, komplexe Situationen anzunehmen, sich nicht lähmen zu lassen, sondern sich selbstbewusst und aktiv in die Gestaltung ihrer Landschaft einzubringen.

Grafik, die unterschiedliche und sich scheinbar widersprechende Interessen veranschaulicht
Interessensausgleich für vielfältige Nutzungen wird ein einem Rollenspiel gesucht und gefunden (Klick vergrößert! Grafik: E. Mirbach)

Das Rollenspiel

In einem eigens konzipierten Rollenspiel konnten die Schülerinnen und Schüler nun aktiv erleben, wie Konflikte offen besprochen und ein fairer Ausgleich von Interessen vorgenommen werden.

Sie schlüpften in die Rolle fiktiver Lokalpolitiker, Naturschützer, Jäger, Landwirte, Angler und Gewerbetreibender oder ganz einfach wacher Bürger, die sich um die Zukunft und das Wohlergehen ihrer Gemeinde sorgen. Mit Hilfe vorhandener Planungsunterlagen, hydrologischer Gutachten zur Grundwassersituation und Stellungnahmen betroffener Bürger wurde die Problematik in Eich-Gimbsheim erläutert. Zusätzliche Informationen zum Selbstverständnis der jeweiligen Interessensgruppe lieferten  Argumentationshilfen, mit denen die einzelnen Gruppen zunächst intern ihre Strategie entwickelten (s. Infokasten „Beispiel der Rolleneinteilung“).

Erfahrungen wie im richtigen Leben

Dann „spielten“ die Schülerinnen und Schüler eine Gemeinderatssitzung: Lebhaft und nicht ohne Gelächter – fast wie im echten Leben!  Und tatsächlich: es wurden Lösungen gefunden, die zuvor niemand erwartet hatte, die aber mehreren Interessen gleichzeitig entgegen kamen und die Ziele der Biodiversität berücksichtigten – auch fast wie im echten Leben?

Beispiel einer Zuteilung einer Rolle im Rollenspiel.
Beispiel der Rolleneinteilung (Klick vergrößert)

In der engagierten Diskussion wurden folgende Ergebnisse herausgearbeitet:

  • Biodiversität ist wichtig.
  • Landschaft ist nicht beliebig vermehrbar.
  • Jede Interessengruppe verdient es, mit ihrem Anliegen ernst genommen und anerkannt zu werden.
  • Scheinbar konkurrierende Interessengruppen können durchaus zum beiderseitigen Nutzen zusammenarbeiten.
  • Es ist möglich, einvernehmliche Lösungen unter Einbeziehung aller Betroffenen zu finden.
  • Es ist schwierig, aber notwendig und möglich, Prioritäten zu setzen und dann Kompromisse zu finden.
  • Die Biodiversität droht im Interessensausgleich allzu leicht zu stark zu verlieren, wenn man nicht aufpasst. Dem kann und soll man entgegenwirken.

Die Erfahrungen dieses Schulprojektes sind ermutigend. Zeigen sie doch, dass moderner Naturschutz ein spannendes Thema für Jugendliche sein kann. Zudem wird deutlich, dass man etwas tun kann für die Erhaltung der Biodiversität und dies in einem gerechten Interessenausgleich!

Die dazu notwendigen Fähigkeiten und der Mut für Engagement sollte zukünftig noch mehr eingeübt werden, beispielsweise, indem Naturschützer in die Schulen gehen und mit Lehrern zusammenarbeiten oder umgekehrt.

Erfolgreiches Projekt wird weitergeführt

Gerade Rollenspiele schulen den Blick für verschiedene Perspektiven und fordern Engagement: Wer einen Tag „in den Schuhen“ eines Landwirts, eines Kommunalpolitikers oder eines Naturschützers durchs Feld geht, entdeckt mehr als nur sich selbst. Der vielzitierte „Blick über den eigenen Tellerrand“ ist eine wichtige Schlüsselkompetenz für die Lösung komplexer Umweltprobleme. Deshalb wird das Schulprojekt „Natura 2000 macht Schule – ein Unterrichtsprojekt zur Biodiversität“ in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der unteren Naturschutzbehörden, Fachleuten des Pädagogischen Landesinstituts (externer LinkPL) und der Landeszentrale für Umweltaufklärung (LZU) weiter bearbeitet.

Ziel ist es, den Schulen landauf landab Unterrichtsmodule zu Natura 2000, Biodiversität und ihre Einbindung in planerisches Handeln anzubieten. Didaktische Methoden, pfiffige Ideen zur Motivation der Schülerinnen und Schüler, beispielhafte Planungsfälle und Exkursionen mit  Naturerleben werden mitgeliefert.

Erika Mirbach, Michael Altmoos (LUWG)

Kontakt:

Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz (LUWG) Grafik: Das Logo des LUWG

  • Erika Mirbach
    E-Mail Erika.Mirbach(at)das-hier-loeschen.luwg.rlp.de
    Telefon 06131/6033-1427
  • Michael Altmoos
    E-Mail Michael.Altmoos(at)das-hier-loeschen.luwg.rlp.de
    Telefon 06131/6033-1404

Mehr zu Natura 2000 in Rheinland-Pfalz finden Sie unter http://natura2000.rlp.de/ im Internet.

Diesen Bereich betreut E-Mail an Carola Nolten-Heinrichs, MBWWK. Letzte Änderung dieser Seite am 29. Juli 2011. ©1996-2012 Bildungsserver Rheinland-Pfalz